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Manchmal könnte man denken, wir Frauen sind alle heimliche Masochisten. Wenn wir uns entscheiden können zwischen dem “Guten” und dem verwegenen, piratenhaften, satanischen Schurken, für wen entscheiden wir uns dann wohl?
Richtig – für den Bösewicht, weil wir den einfach sexy und faszinierend finden. Weil der uns mehr reizt.
Dass ich selbst nicht ganz unberührt geblieben bin von dieser seltsamen Neigung, macht sie für mich auch nicht leichter verständlich.
Der Schurke muss nicht einmal wirklich gut aussehen, zumindest nicht besser als Mister Nice Guy. Lediglich eine Bedingung wird gestellt: Intelligent muss er sein. Dumme Bösewichter mögen wir nicht.
Immerhin doch Zeichen einer höheren Entwicklung, dass wir den Geist mehr schätzen als den Körper.
Andererseits, so unabhängig sind wir vom Äußeren auch wieder nicht; wenn der Böse ein Hinkebein hat, BBB (Bauch/Bart/Brille) oder zu wenig Haare ganz oben, dann ist vielleicht jemand mit der Ausstrahlung von Kojak eine Ausnahme, aber ansonsten sind wir da gnadenlos und lassen ihn fallen wie eine heiße Kartoffel.
Und am besten ist es, der Typ hat dunkle Haare und dunkle Augen. Oder so – da sind wir allerdings ein wenig individuell.
Ein gutes Beispiel für die Faszination des Bösen ist der dämonische Lehrer, der Harry Potter und seinen Freunden das Leben anfangs Hölle macht, Professor Severus Snape. Wobei sich erstens der Potter Hype inzwischen ziemlich verzogen hat und wir zweitens nach dem letzten Teil auch wissen, dass Snape eigentlich doch ein Guter war und Harry sogar seinen Sohn nach ihm benennt.
Aber was haben die Frauen jeden Alters für ihn geschwärmt, als sie noch dachten, er sei der Böse!
Nur seine große Liebe, Harrys Mutter, wollte ihn nicht; aber das liegt daran, dass er damals noch nicht böse war, sondern ihn erst ihre Ablehnung böse gemacht hat …
Aber wie auch immer, dieser Snape ist ein Kerl, wie man ihn ohne mit der Wimper zu zucken glatt umbringen könnte, würde er einem im wahren Leben begegnen: ein ständig griesgrämiger, voreingenommener, ungerechter, machtgieriger, herumschnüffelnder Kauz mit ungewaschenen, fettigen Haaren, ein paar Kilo zu viel auf den Rippen und hässlichen Händen.
Und trotzdem könnte er die Weiber reihenweise flach legen.
Was, bitte, wollen wir Frauen denn mit solchen Arschlöchern? Was erträumen wir uns, wenn wir von so jemandem fasziniert sind?
Aber ich glaube, der Grund ist nicht der, dass wir Frauen Masochistinnen sind. Es ist schlichter Größenwahn, der diese Charaktere für uns so faszinierend macht. Der Wunsch danach, eine ganz besondere Rolle zu spielen.
Nämlich die der einzigen Frau, die einen solchen Teufel bändigen und domestizieren kann.
Die es schafft, sein Glasherz zu öffnen und darin einzuziehen. Die einzige, die er mit Liebe ansieht und einem sanften, zärtlichen Lächeln. Hach – schmelz dahin …
Eine versteckte Sucht, arme verlorene Seelen zu retten, steckt nicht dahinter; das hätte ja noch etwas Christliches. Nein – es geht allein um unsere Rolle für diesen einen Mann, für den nichts sonst eine solche spielt, außer seiner eigenen Person.
Was schert es uns, dass Luzifer zum Langweiler wird, sobald er einmal Schoßhündchen geworden ist; was interessiert uns die unbestreitbare Logik, dass ein Arsch nun einmal ein Arsch bleibt, selbst wenn er sich uns gegenüber absolut liebevoll zeigte.
Wen kümmert es, dass das alles nur Kopfkino ist, vom echten Kino in Gang gesetzt.
Wenigstens da, wenigstens im eigenen Kopf, wollen wir das ganz Besondere, nur für uns, mit niemandem zu teilen. Und unterscheiden uns dabei in nichts von den meisten anderen Frauen …
Zum Glück gewinnt im realen Leben aber doch oft der Gute gegen den Schurken!

geschrieben von: Kerstin
27.01.2012
Daniela

Kerstin, du wirst ja richtig sarkastisch! Wüsste ich es nicht besser, würde ich sagen, du bist ein Harry Potter Fan, der nur enttäuscht ist, dass es Snape am Ende erwischt hat und jetzt keine Fortsetzung mehr kommt ;-)

27.01.2012
Katja

Ich glaube, Kerstin, du hast da ein paar sehr wahre Dinge gesagt. Nur leider schafft die Erkenntnis solcher Zusammenhänge es auch nicht, die Faszination zu durchbrechen, die die Schurken auf uns ausüben.

28.01.2012
Carsten

Ich habe deinen Beitrag sehr aufmerksam gelesen, und frage mich jetzt nur noch - bin ich ein Schurke? Oder bin ich ein Böser?

29.01.2012
Kerstin

Wenn du dich das erst noch fragen musst, Carsten, hast du schon verloren und kannst kein Schurke sein ;-)

30.01.2012
Evelyn

Ich glaube, Kerstin, das, was du schreibst, hat seine Bedeutung vorwiegend, wenn es um Schwärmerei geht, ums sich Verkucken in jemanden. Sobald ernsthafte Gefühle ins Spiel kommen, spielt das schon keine Rolle mehr.

30.01.2012
Laura

Da wäre ich mir nicht so sicher, Evelyn. Wobei ich hier jetzt kein philosophisches Fass aufmachen will mit der Frage, was eigentlich Liebe ist …

01.02.2012
Daniela

Liebe ist … Kennt ihr noch diese Cartoons mit den lustigen Sprüchen über eine Definition, was Liebe ist? Ich fand die immer total klasse.

02.02.2012
Katja

Ja, die Sprüche kenne ich auch, ich weiß genau, was du meinst, Daniela. Wobei selbst diese Zitate natürlich mit der Zeit gehen, angesichts der ganzen modernen Technik - zum Beispiel: Liebe ist … beim Kuscheln das Handy auszuschalten. Oder, sarkastischer: Liebe ist … nicht beim Maileingang-Piepsen zum Rechner zu rennen, wenn man ihr gerade die Muschi leckt … *gg*

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Da machen die meisten Sklaven dann doch schlapp ... Bist du der Orgasmuskontrolle durch diese strengen Ladys gewachsen?
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